Am Samstag, 7. Februar 2026, startete ich mit 49 andern Teilnehmern meinen ersten Backyard-Ultra.
Da es ein Community-Run war, wurde er auf 15 Runden begrenzt. Eine Runde entspricht 6,7km, welche zu jeder vollen Stunde absolviert werden müssen; ist man zur vollen Stunde nicht an der Startlinie, scheidet man aus. Quasi ein Last-Man-Standing-Wettkampf.
Bereits um 7:15 Uhr war ich vor Ort und half beim Aufstellen des Start-/Zielbogens und der Getränkestation. Mir war klar, dass ein langer Tag bevorstand: Doch wie viele Runden würde ich schaffen? Ich war ziemlich neutral eingestellt und ich wollte einfach eine Ultra-Distanz laufen. Nachdem die erste Runde um 10 Uhr gestartet war, überlegte ich mir eine Strategie: bis 45/50 km auf «Sparflamme» laufen, keine unnötige Energie verschwenden und gleichmässig im Ziel eintreffen, um gute 12 min Pause machen zu können. Ernährungsplan von ChatGPT war der Klassiker, er hat aber gut funktioniert.
Nach den 50 km war mir klar, dass das Rennen für mich noch nicht vorbei war. Ich war fit, die Belastung war noch nicht wirklich spürbar: vergleichsweise wie ein Halbmarathon, aber noch kein Ultra. Auf der Strecke ist man ca. 60 % gelaufen und 40 % nach oben marschiert. Jede Runde galt es, zu den 6,7 km ca. 130 Höhenmeter zu überwältigen. Das war für mich wirklich Neuland. Bei meinem letzten 100-km-Lauf (jedoch ohne Backyard-System) hatte ich insgesamt nur 400 hm. Hier bin ich über 1800 hm gelaufen.
Bei ungefähr 75 km war ich mir unsicher, wie es weitergehen soll. Einfach in der Waldhütte und am warmen Feuer entspannen oder noch weitermachen. Es sind die klassischen Fragen, die trotz meiner Erfahrungen immer wieder auftauchen. Z. B. «Für was mache ich das?» Es ist immer wichtig, ein starkes «Warum» zu haben. Nur wenn du 100 % hinter dir stehst, kannst du die Grenzen überwinden. Ich lief eine weitere Runde. Dann noch eine Irgendwann war ich nahe 85 km und es fehlten nur noch 3 Runden/15 km für mein Ziel. Ich stellte mir die Distanz vor, so wie ich sie sonst von mir zuhause aus laufen würde, und habe dann alle paar KM vor mich hin gedacht. Nur noch von mir zuhause bis … Natürlich ergaben sich zwischendrin spannende Gespräche und ich konnte viele neue Leute kennenlernen.
Genau um 00:00 Uhr, nach bereits 14 h Laufen, starten wir zu viert in die letzte Runde, 15, zu den 100 km (das Maximum für diesen «Community-Ultra»). Es war ein krasses Gefühl, immer noch hier zu sein und gegen seinen Verstand und den Körper zu kämpfen, zu wissen, dass über 40 Personen bereits aufgegeben haben und noch einer der Wenigen zu sein. Die Waldhütte, in der wir unser Gepäck hatten, war anfangs komplett voll und mit der Zeit wurde sie immer leerer und leerer. Gemeinsam mit Tobias lief ich die letzten beiden Runden und wir pushten uns gegenseitig.
Wenn ich daran zurückdenke, kann ich es immer noch nicht realisieren. Doch ich bin stolz, durchgezogen zu haben und meinen eisernen Willen weiter gestärkt zu haben. Ich habe gelernt, dass Besessenheit wertvoller ist als Talent. Nur wer konstant immer weitermacht, gewinnt im Leben.
Platz 3 von 45 Teilnehmern
7:07 min/km
Distanz: 100,59 km
Netto-Laufzeit: 11:56:29
Weitere Einblicke im Video von Patrick