Am 10. Mai 2025 war es soweit: Ich stand an der Startlinie meines ersten offiziellen Laufs – ein Ultramarathon rund um den Bielersee.
Mein Ziel war klar definiert: 50 Kilometer unter 5 Stunden.
Nach meinem inoffiziellen Testlauf (Zeit: 5 h 14 min) fühlte ich mich grundsätzlich bereit, doch es kam anders. Zwei zusätzliche Velotouren und eine intensive Skatetour setzten meinen Beinen ordentlich zu. Danach machte sich ein Kribbeln in den Füssen breit, als wären sie dauerhaft eingeschlafen. Keine Schmerzen, aber ein komisches Gefühl – und ehrlich gesagt: Es machte mir Sorgen.
Dann auch noch das Gehör. Eine Woche vor dem Lauf war mein Gehörgang leicht verstopft – der Druck und die Unsicherheit wuchsen. Erst am Mittwoch vor dem Rennen konnte ich beim Arzt meine Ohren ausspülen lassen. Zum Glück hörte ich am nächsten Tag wieder normal – und auch das Kribbeln in den Füssen verschwand langsam. Ich hatte in den letzten zwei Wochen komplett pausiert, Beine hochgelagert, gehofft. Zwei Tage vor dem Start fühlte ich mich endlich wieder bereit.
Um 09:00 Uhr fiel der Startschuss. Ich lief voller Motivation los und nach rund 5 Kilometern traf ich auf Fabian, der ebenfalls die 50 km absolvieren wollte. Wir liefen gemeinsam, unterhielten uns über alles Mögliche und motivierten uns gegenseitig. Kilometer um Kilometer vergingen wie im Flug. Bis Kilometer 30 hielten wir gemeinsam ein angenehmes Tempo von rund 6:30 min/km.
Ab Kilometer 30 wurde es ernst. Ich schaute auf die Uhr. Mein Ziel rückte näher, aber die Zeit war knapp. Ich holte meine Kopfhörer aus der Tasche, drehte die Musik auf – und beschleunigte. Plötzlich lief ich mit 5:00 min/km durch die Strecke und überholte viele andere Läufer, mit denen ich vorher Schulter an Schulter gelaufen war. Ich fragte mich, ob ich das durchhalten würde – doch ich war im Flow. Ich wusste: Jetzt zählt alles.
I Die letzten zwei Kilometer lief ich im 4:50er-Schnitt, überholte nochmals fünf, sechs andere Läufer, die nur noch gehen konnten. Und dann: Ziel erreicht – nach 5 Stunden und 2 Minuten. Ganz knapp mein Ziel von unter 5 h verfehlt, aber es war trotzdem ein unglaublicher Lauf!
Ein Ultramarathon ohne perfekte Bedingungen, mit vielen Unsicherheiten im Vorfeld und trotzdem ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Es hat mir gezeigt, was mit Willenskraft, Fokus und innerem Feuer möglich ist.
Ich freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Ultra!